Wieso Mondkuchen

Es ist wieder so weit, Mitte September feiert ganz China das “Mittherbst-Fest” auch bekannt als “Mondkuchen-Fest”. Ende August konnte man die ersten Mondkuchen in den Pekinger Supermärkten finden und meine Frau musste mich beim Einkaufen von den Auslagen fortziehen. Ich muss es zugeben: Ich liebe Mondkuchen.

Ich liebe chinesische Mondkuchen sogar so sehr, dass meine Frau unserem Sohn den “kleinen Namen” 月饼 (Yuèbing) gab. Der ‘kleine Name’ ist in China so etwas wie ein Kosename, der nur von der Familie benutzt wird.

Doch was hat es mit diesem Mondkuchenfest auf sich?

Nun, erst einmal ist es eines von drei großen Festen in China mit offiziellen von der Regierung festgelegten Feiertagen, die im Kreise der Famile gefeiert werden. Die traditionelle Speise zum Mitt-Herbstfest ist der Mondkuchen: kleine etwa 1,5 bis 2cm hohe und etwa halb-handteller große Küchlein, die aus einer dünnen Kuchenkruste und ansonsten fast ausschließlich aus Füllung bestehen. Füllungen gibt es in allen möglichen Geschmacksrichtungen – beliebt (bei vielen Chinesen – weniger bei mir) sind die Mondkuchen mit ganzem Eidotter in der Mitte.

Aber wieso eigentlich Mondkuchen? Das geht auf eine uralte chinesische Legende zurück:

Vor langer langer Zeit gab es 10 Sonnen am chinesischen, unserem Himmel. Die Menscheit litt unter der Hitze und hatte keine Hoffnung auf bessere Zeiten. Eines Tages kam ein Held namens Hou Yi und schoss neun der zehn Sonnen vom Himmel. Von da an wurde das Leben erträglich. Die Königin des Himmels gab ihm zum Dank eine magische Unsterblichkeits-Pille. Doch Hou Yi und seine Frau Chang Er liebten sich so sehr, dass er nicht ohne sie in alle Ewigkeit leben wollte. Statt die Pille zu sich zu nehmen, gab er sie seiner Frau zur sicheren Aufbewahrung. Eines Tages, während Hou Yi auf Jagd war, überfiel ein teuflisch böser Mann Chang Er. Er wollte sie zwingen, ihm die Pille der Unsterblichkeit zu geben. Statt diese Macht einem Bösewicht zu überlassen, schluckte Chang ER in ihrer Not die magische Pille selbst und fuhr sodann auf in den Himmel hinauf zum Mond.

Hou Yi wurde sehr traurig, als er hörte was geschehen war. Von diesem Tag an, immer wenn der Mond in voller Pracht schien, würde er seinen Anblick genießen. Und er opferte Früchte und Kuchen, die seine Frau so sehr liebte. Chang Er aber war es schnell langweilig alleine im Mondpalast. So tanzte sie immer bei Vollmond, um Menschen auf der ganzen Welt zu unterhalten und sich ihnen nah zu fühlen.

Vollmond war an dem Tag, an dem sich Hou Yi und Chang Er am nächsten waren. Heute freilich ist Hou Yi lange Vergangenheit, aber wir können uns immer noch am Tanz seiner ewig lebenden Frau auf dem Mond Chang Er erfreuen. Der Tag an dem sich China dieser Legende erinnert und die Nähe der Familie genießt, ist der Tag des Mittherbstfestes. Und zum Gedenken an Hou Yi und Chang Er isst man traditionell Mondkuchen.

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Mondkuchen

Marcus Pentzek

kommt aus Deutschland und ist Spezialist für Online Marketing und Bildung. Momentan arbeitet er als Marketing Manager in einer chinesischen Firma in Peking. Der Sprachliebhaber mit einem besonderen Interesse für die chinesische Sprache und Kultur lässt unsere Leser an seinen Erlebnissen als ein "Lǎowài" im modernen China teilhaben. Als Webmaster ist er außerdem verantwortlich für XuexiZhongwen.de, in Deutschland eine der größten Websites für Chinainteressierte. Lust, Chinesisch zu lernen? Besuche rosettastone.de.

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